Nils Seger, RCKT

Nils Seger, RCKT

Digitalisierung 5 Gründe, warum Unternehmen auf junge Mitarbeiter setzen müssen

Dienstag, 22. November 2016
Von den Folgen der Digitalisierung bleibt keine Branche verschont. Doch was tun, wenn man nicht wie Deutsche Telekom, BMW und Co millionenschwere Initiativen aufsetzen kann? Nils Seger, Mitgründer der Agentur RCKT, hat da einen Tipp. In seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online erläutert er anhand von fünf Punkten, warum junge Mitarbeiter bei der Digitalisierung unverzichtbar sind.

Egal ob kleine Klitsche, mittelständische Firma oder Großkonzern: Immer mehr Unternehmen stehen branchenübergreifend vor der Herausforderung, die Digitalisierung zu meistern. Dabei reicht es bei weitem nicht aus, auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Co präsent zu sein. Digitalisierung, digitale Transformation, Digital Change – call it as you want – muss im ganzen Unternehmen gelebt werden und vor allem neue Impulse sinnvoll mit bestehenden Strukturen verknüpfen. Nicht zuletzt deshalb etablieren viele Konzerne neue Digital-Initiativen – so zum Beispiel die Deutsche Telekom den Hubraum, BMW die Startup Garage oder Merck das eigene Innovation Center – um vom Mindset, den neuen Geschäftsmodellen und den Arbeitsprozessen der Startups zu lernen.

Da nicht jedes Unternehmen die Möglichkeiten hat, ein solches Programm zu verwirklichen, sind vor allem die Mitarbeiter ein entscheidender Faktor, um mit der Digitalisierung voran zu kommen. Zumal es ansonsten erhebliche Mängel gibt. So haben laut einer Studie von Fujitsu lediglich 30 Prozent der Unternehmen eine übergeordnete Strategie bei der Digitalisierung. Der Großteil verfolgt nur vereinzelte Projekte und 14 Prozent stehen sogar noch ganz am Anfang der Planungsphase. Gebremst werden Unternehmen bei der digitalen Transformation nach eigener Aussage oftmals von bestehenden Strukturen innerhalb ihrer Organisation. Diese Strukturen aufzubrechen und zu erneuern, sind die wichtigsten Voraussetzungen für digitalen Wandel. Hier sind fünf Gründe, warum Unternehmen vor allem auf junge Mitarbeiter setzen müssen, damit Digitalisierung nicht nur ein kurzes Aufflammen, sondern eine nachhaltige Transformation wird.

1.

Junge Mitarbeiter sind... Digital Natives

Mit dem Smartphone aufgewachsen und der Entwicklung des Internets auf Schritt und Tritt folgend, bringen Digital Natives die optimalen Voraussetzungen mit, Digitalisierung in Unternehmen voranzutreiben. Digital Natives spielen eine wesentliche Rolle dabei, Herausforderungen wie User-Centricity, neue Technologien, digitale Standards und Prozesse sowie disruptive Ansätze erfolgreich zu meistern. Sie sind vertraut mit den Mechanismen der Digitalisierung und dadurch in der Lage, eine Transferleistung zu erbringen, die heute wichtiger ist als je zuvor: Sie übertragen die Erfahrungen aus ihrer eigenen digitalen Lebenswelt in die Geschäftswelt. Dabei denken und handeln sie aus der Perspektive von Konsumenten und Usern, bringen eigene Erwartungen und Ansprüche ein und können aus ihrer breiten digitalen Erfahrung schöpfen.

2.

Junge Mitarbeiter sind... disruptiv

Sie bringen frischen Wind ins Unternehmen, können neue Perspektiven einnehmen und haben den Mut, radikale Ideen zu äußern. Vor allem auch, weil sie nicht seit Jahren am Aufbau der bestehenden Strukturen mitgearbeitet haben. Sie verteidigen nicht den “hart erarbeiteten” Status Quo, sondern denken und handeln in der Regel zukunftsgerichtet. Genau diese Denkmuster brauchen Unternehmen heute, um am Markt auch zukünftig bestehen zu können. Digital Natives fördern Disruption. Laut der Studie “Great expectations: The next generation of family business leaders“ von PwC wollen 88 Prozent der Nachkommen von Familienunternehmen das Erbe nicht nur verwalten, sondern neue Ansätze und innovative Ideen in das Geschäft ihrer Eltern einbringen. 

3.

Junge Mitarbeiter sind... neugierig

Junge Mitarbeiter sind gewillt, Neues auszuprobieren und voranzutreiben. Sie besitzen den Mut, tradierte und gewachsene Strukturen zu hinterfragen und bewegen sich außerhalb ausgetretener Pfade. Darüber hinaus haben sie es gelernt, Problemstellungen zu hinterfragen, Kritik zu äußern und ihre Meinung zu vertreten. Mitarbeiter mit langjähriger Berufserfahrung und Unternehmenszugehörigkeit reagieren auf Veränderungen oftmals mit einer Abwehrhaltung und Reaktanz, weil sie an bestehende Strukturen, Regeln und Arbeitsweisen gewohnt sind. In diesem Gegensatz besteht eine der größten Herausforderungen des Wandels: Nicht die Transformation der Technologie oder der Prozesse ist es, die den Unternehmen auf lange Sicht zu schaffen machen wird, sondern die Transformation von Denkweisen, Werten und der Unternehmenskultur. Digital Natives können hier den entscheidenden Beitrag leisten, indem sie sie den Wandel tagtäglich vorleben.

4.

Junge Mitarbeiter sind... bewertungskompetent

Aufgrund ihrer hohen Affinität zu digitalen Produkten sind junge Mitarbeiter die wahren digitalen Experten. Konträr zur gängigen Annahme ist bei der Digitalisierung das Tech-know-how nicht entscheidend, sondern vielmehr die Fähigkeit, digitale Prozesse schnell antizipieren und optimieren zu können. Wie die Leadership 2030-Studie der Hay Group bestätigt, sind Digital Natives heutzutage 24/7 online und ihr digitales Wissen wird zum Motor der globalen Wirtschaft. Mit Optimismus und Unerschrockenheit haben sie sich das digitale Know-how selbst angeeignet. Schließlich gab es keine Generation, von deren digitalen Erfahrungen sie profitieren konnten – sie sind die digitalen Pioniere. Für Führungskräfte bedeutet das, dass sie die Kreativität, die Neugier und die digitale Bewertungskompetenz der Digital Natives aufnehmen und zugleich Struktur und Zielorientierung bieten müssen.

5.

Junge Mitarbeiter sind... Botschafter

Junge Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, weil ihnen vertraut wird und sie Verantwortung übernehmen dürfen, können Botschafter für das Unternehmen werden und somit auch glaubwürdig die Employer Brand voranbringen. Dies bestätigt eine Studie des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover, laut der sich junge Talente insbesondere aufgrund des Statussymbols, des Prestiges und des höheren Gehalts für ein etabliertes Unternehmen entscheiden. Startups werden immer attraktiver, da sie ein innovatives Arbeitsumfeld bieten und Berufseinsteiger früh in Verantwortung bringen. Es liegt an den Unternehmen selbst, die passenden Voraussetzungen zu schaffen, damit sie wieder junge Talente für eine Karriere in ihrem Unternehmen begeistern können.

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