Christine Lischka, Serviceplan Design

Christine Lischka, Serviceplan Design

Design RIMOWA - oder wie man mit einem Redesign die Identität einer Marke auslöscht

Montag, 29. Januar 2018
RIMOWA verpasst seiner Marke einen Neuanstrich. Mit der neuen Markenidentität hat der Anbieter von Reisekoffern auch das 1983 vom Atelier Schaller entworfene Logo eingemottet. Der neue, vom Bureau Mirko Borsche in Kooperation mit dem britischen Commission Studio kreierte Schriftzug kommt sehr minimalistisch daher. Aus Sicht von Christine Lischka, Chefin von Serviceplan Design, geht der Relaunch allerdings in die komplett falsche Richtung. "Das RIMOWA Logo war ein Zeichen, ein Index für Qualität. Dieses Zeichen ist nun verschwunden", schreibt sie in ihrem Gastbeitrag für HORIZONT Online.

Das neue RIMOWA-Logo
Das neue RIMOWA-Logo (© Rimowa)
RIMOWA, der Mercedes unter den Reisegepäck-Marken, hat sich ein neues Erscheinungsbild verordnet und in diesem Zuge auch das Logo einem Relaunch unterworfen. Man muss bei dem neuen Logo dazu sagen, dass es das Logo ist – man  würde sonst vermuten, es sei aus einer Grotesk-Schrift als Fließtext gesetzt worden.
Das alte RIMOWA-Logo
Das alte RIMOWA-Logo (© Rimowa)
Und das ist dann auch schon das Drama. Wenn heute neue Marken konzipiert werden, versucht man, eine interessante Story zu bauen, um der Marke Tiefe, Eigenständigkeit und Glaubwürdigkeit mitzugeben. Rimowa hat dies alles: Ein Kölner Unternehmer gründete die Marke 1898 und schon 1937 kommt der erste Leichtmetallkoffer mit dem unverwechselbaren Rillen auf den Markt. Eine Innovation, deren weitere Erfolgsgeschichte durch das Produktdesign stark geprägt wurde. Auch das Logo wurde seit den 50er Jahren nur evolutionär in Facelift-Schritten verändert und stets behutsam weiterentwickelt.

Erfolgreiche Marken haben radikale Veränderungsschritte nie nötig. Konsumenten lieben Marken, die eine Geschichte mitbringen und eine Identität haben. Sie vertrauen Marken und ein Logo ist bekanntermaßen nun einmal das Zeichen für eine Marke. Als Beispiel für gelungene Logos, bei denen die Herkunft nicht verleugnet wird, kann man sich Prada oder Hermès ansehen. Marken, die, heute wie früher, erfolgreich sind. Sie stehen für Tradition – zugleich auch für Innovation. Die Heritage ist im Logo der Marken verankert. Das Spannungsverhältnis von Logo zu innovativen Produkten ist interessant und macht Marken reich und gibt ihnen Tiefe.

Das Logo ziert bereits die RIMOWA-Produkte
Das Logo ziert bereits die RIMOWA-Produkte (© Rimowa)
Bei einer visuellen Analyse der „alten Marke“ Rimowa fallen gestalterisch und typografisch natürlich Schwachpunkte ins Auge: die runde Typografie ist sehr 70er Jahre-mäßig, sie wirkt etwas gedrungen, das Spacing ist nicht optimal und die Marke könnte mehr Spannung vertragen. Das hätte man aber alles behutsam angehen können. Das M, das W, das Schild – kurz, die Merk-würdigkeiten der Marke: jetzt alles weg.

Der Trend zu sehr klaren reduzierten Schriftzügen bei Logos ist gerade auf dem Höhepunkt. Aber macht es Sinn, einem Gestaltungs-Trend einfach hinterherzulaufen?

Ein Gestaltungs-Trend ist nicht mit Ästhetik gleichzusetzen.

In der Ästhetik gibt es verschiedene Klassen, eine davon ist die Verbundenheit. Verbundenheit entsteht durch Vertrauen, Zugehörigkeit und Identifikation. Damit sollten sich Markenverantwortliche und Markenberater intensiv beschäftigen, bevor sie einer Marke dieses Wertes berauben.

Bestimmt hätte, wie auch in früheren Jahren, ein behutsamer Schritt gereicht, um die Marke an den Zeitgeist anzupassen. So wirkt sie nun arm und ihrer Identität beraubt. Für mich zeigt dieser Schritt mangelnde Souveränität und fehlendes Selbstbewusstsein des Unternehmens. Schade. Das RIMOWA Logo war ein Zeichen, ein Index für Qualität. Dieses Zeichen ist nun verschwunden.

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