Bärbel Unckrich

Bärbel Unckrich

Cannes Lions Warum die neueste Festivalkategorie einen bitteren Beigeschmack hat

Montag, 18. September 2017
Der börsennotierte Inhaber der Cannes Lions Ascential arbeitet ab sofort mit den Vereinten Nationen zusammen. Konkret geht es darum, ein Bewusstsein für die Nachhaltigkeitsziele der Organisation zu schaffen. Deshalb wird es ab 2018 eine neue Katgorie namens Sustainable Development Goals Lions (SDG Lion) geben.

Verwunderlich ist es nicht, dass die Lions wieder mal eine neue Kategorie einführen. Nachdem es voriges Jahr keine Wettbewerbserweiterung gab, war damit nun wieder zu rechnen. Neben dem Lion For Good für soziale Themen und den Glass Lions für Gender und Diversity-Kampagnen, besetzt Ascential nun erneut ein gesellschaftsrelevantes Thema.

Die SDG Lions sollen alle 17 Ziele für eine nachhaltige Welt berücksichtigen, die von der UN auf der Agenda 2030 zusammengefasst wurden. Die Einreichungsgebühren dafür sollen in Projekte fließen, die zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele beitragen. Das klingt an sich nach einem hehren Ziel, dennoch hat es einen bitteren Beigeschmack.

Zwar geht es bei den 17 SDG-Themen nicht nur um Klima- und Umweltschutz, dennoch wirkt ein Nachhaltigkeitslöwe geradezu zynisch, wenn man bedenkt, wie viel Müll der Lions-Veranstalter täglich produziert. Bei seinen großen Galas setzt er konsequent auf Plastikgeschirr. Er lässt zu, dass sämtliche Strände an der Croisette für die Dauer des Events mit Material zugebaut werden, von denen danach ein Großteil im Müll landet. Die Betreiber der Strandrestaurants unternehmen allmorgendlich immerhin den Versuch, die schlimmsten Schäden zu beheben, indem sie im Meer nach dem ganzen Dreck tauchen, der abends von jenen Werbern dort hinein befördert wird, die sich tagsüber für ihre Social- und Umweltkampagnen feiern lassen.

Vor einem Jahr forderte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die Kreativszene in Cannes dazu auf, mit vereinten Kräften für eine bessere Welt zu kämpfen. Duncan Painter, CEO Ascential, erklärt jetzt, dass die Partnerschaft mit den Vereinten Nationen ein wichtiger Schritt auf dieser kritischen Reise für die Menschlichkeit und den Planeten sei. Das sind große Worte. Besser wären allerdings Taten. Es ist wünschenswert, dass die Cannes Lions mit der Einführung des Nachhaltigkeitslöwen auch einmal ihr eigenes Verhalten in dem kleinen Mittelmeerstädtchen überdenken und endlich damit anfangen, bewusster mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen anstatt sie immer weiter auszubeuten. bu

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