Roland Rudolf, Cheil

Roland Rudolf, Cheil

Cannes Lions 2016 Die Magie der richtigen Einstellung

Samstag, 18. Juni 2016
Das Kreativfestival in Cannes, so sagt man gerne, hat seine ganz eigene Magie. Für Roland Rudolf, Chief Creative Officer DACH & Nordic bei Cheil, ist das nicht nur eine Floskel. Warum, erklärt er in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online.

Alle Jahre wieder, die Spannung steigt, ein Schleier von Nervosität, Spekulation und Vorfreude legt sich über unsere Agentur. In Gedanken, ob und wie herausragend unsere eingereichten Arbeiten wirklich sind, werden wir ab dem 21. Juni neben dem Spiel gegen Nordirland sehen. Ja, wir können uns jetzt die Augen aushacken, und über Sinn und Unsinn dieser und anderer Award Shows lamentieren. Die Wahrheit ist aber, dass speziell dieses Festival eine historische Ausnahmestellung in unsere Branche innehat. Weil es einfach wunderbar ist, sich mit exzellenter Arbeit in der Welt zu messen. Weil die Messlatte besonders hoch gelegt wird. Dass einem bei mehr als 40.000 Einreichungen nichts geschenkt wird, versteht sich von selbst.

Als wir vor drei Jahren für unsere Arbeit für die Vereinten Nationen sechs Löwen, darunter sogar einen goldenen, erhielten, konnten wir es selbst kaum fassen. Dankbar bin ich aber insbesondere, dass dieser Erfolg, die außergewöhnliche Idee, die exzellenten Umsetzung und das großartige Team dahinter das Ergebnis eines besonderen Prinzips waren. Im Koreanischen gibt es nämlich eine bestimmte Bezeichnung, die nicht in ein einzelnes deutsches Wort übersetzt werden kann, sondern vielschichtig eine Haltung und Einstellung beschreibt: Tu:hon

Tu:hon bedeutet "Dinge aus völlig neuem Blickwinkel zu sehen", "sich unermüdlich einer neuen Herausforderung stellen", "niemals aufgeben", "das unmögliche möglich machen".
Das Tuhon-Symbol
Das Tuhon-Symbol
Es ist die absolut treffende Erklärung für alle Aspekte, die den kreativen Prozess auszeichnen. Denn in der Bedeutung von Tu:hon steckt erkennbar mehr als die Zuspitzung auf den kreativen Genius oder die Leistung eines Einzelnen. Es geht vor allem um eine gemeinsame Willens- und Schaffenskraft.

Wir pflegen diese Einstellung und glauben daran, dass Egozentrik in der heutigen Zeit, in dem die Aufgabenstellungen unserer Kunden immer komplexer werden, keinen Platz mehr haben. Sicher etwas gegenläufig zu anderen Auffassungen in unserer Agenturlandschaft, wenn man den einen oder anderen Beitrag in den letzten Wochen verfolgt hat. Doch wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt, das dies der zeitgemäße Weg ist, um ungewöhnliche Lösungen über klassische Kommunikationsaufgaben hinweg zu schaffen.

In unserem Network pflegen wir einen sehr verbundenen Umgang. Als Volker Selle und ich vor fast sechs Jahren bei Cheil einstiegen, war eines meiner beeindruckendsten Erlebnisse, die koreanische Kultur hautnah in Seoul zu erfahren. Diese ist nicht nur geprägt durch eine reiche Geschichte, sondern auch durch erstaunliche Parallelen zur Entwicklung unseres eigenen Landes – angefangen beim Trauma der Teilung bis hin zum kometenhaften Aufstieg aus den Trümmern eines Krieges zu einer führenden Wirtschaftsnation.
Cannes Lion 2016
© Cannes Lions

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Womit wir zurück wären bei der schöpferischen Kraft von Tu:hon. Für unsere Agentur resultiert die Einbeziehung dieses einmaligen gesellschaftlichen Prinzips in einem bei uns seit Jahren etablierten "Operating System", welches interdisziplinäre Arbeitsweisen und Talente fördert, das Projekt über Einzelinteressen stellt und durch seine positive "Can-Do"-Mentalität den Teamgeist beflügelt.

Und so wird es hoffentlich auch für uns in Cannes einmal mehr den Grund zur Freude geben, mit der richtigen Haltung Erfolg zu haben. Einen Erfolg übrigens, den wir dann, ebenfalls ganz koreanisch, mit der gleichen Leidenschaft feiern und teilen würden, wie jene, die wir in die Arbeit stecken.

Tu:hon!

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