Oliver Schrott, OSK

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#CES2016 Inspirationsquelle in der Wüste

Mittwoch, 23. Dezember 2015
Die CES, die vom 6. bis 9. Januar 2016 in Las Vegas ihre Tore öffnet, ist zum neuen Mekka für Manager und Medien geworden. Oliver Schrott, Inhaber der gleichnamigen Kölner Kommunikationsagentur, startet das neue Jahr seit längerem in Las Vegas – der CES wegen. In seinem Gastbeitrag für HORIZONT erläutert er, warum das Event inzwischen zum Pflichtprogramm für Manager aus Marketing, Agenturen und Medien gehört.
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CES Las Vegas Oliver Schrott


Jedes Jahr Anfang Januar, wenn die letzten Silvestergäste aus den Casino-Hotels abgereist sind, geht das Big Business in Las Vegas erst richtig los. Flüge sind ausgebucht, Mietwagen knapp und die Hotelpreise schießen in die Höhe: Welcome to CES, der größten High-Tech-Show der Welt!

Wer aktuell noch ein Zimmer für 2016 sucht, wird staunen. Bei booking.com kosten zwei Nächte der billigsten Kategorie im Bellagio 1768 Dollar und im Venetian, eine halbe Meile den Strip hoch, noch einmal 400 Dollar mehr. Eine Woche später gibt es die gleichen Räume für weniger als 500 Dollar.

Die CES, die erstmals 1967 als Ableger der Chicago Music Show in New York stattfand, ist innerhalb weniger Jahre zum Mega-Event von internationaler Bedeutung geworden. Über 170.000 Besucher, 3.600 Aussteller aus 153 Ländern – darunter 82 Prozent der Fortune 100 Unternehmen – und 375 Startups verzeichnete die Fachmesse 2015. Für 2016 hat man die Teilnehmerzahlen auf dem Vorjahresniveau gedeckelt, um die „Qualität der CES Experience“ zu erhalten, wie der Veranstalter sagt.

Denn der einstige Insidertreff der Nerds und Techies, bei dem die neuesten Trends in Fachzirkeln diskutiert und die dazu passenden Innovationen und Gadgets präsentiert wurden, ist zum Mekka für Manager und Unternehmen aus aller Welt geworden – und aus allen Branchen inklusive der Automobilindustrie. Zum einen, weil sie hier dicht dran sind an den Themen und Technologien der „digitalen Transformation“, die Firmen weltweit beschäftigt. Zum anderen, weil die Consumer Electronics Show die wichtigste internationale Bühne geworden ist, um vor großem Publikum über die Fortschritte der vierten industriellen Revolution zu berichten.

So sind die weltweit beachteten „Keynotes“ zur Eröffnung der Show bei CEO‘s als Plattform ebenso begehrt wie bei den Medien als Quelle für Informationen aus erster Hand und knackige Zitate.

„Autos entwickeln sich im besten Sinne des Wortes zu mobile homes. Sie werden zu exklusiven Kokons auf Rädern, in denen die Menschen tun können, was sie möchten. Das ist die neue Definition von automobilem Luxus“ sagte zum Beispiel Daimler-Chef Dieter Zetsche dieses Jahr bei der Vorstellung des autonom fahrenden Forschungsfahrzeugs F015. Mit über 50 Millionen Kontakten entwickelte sich das Auto zum Medienstar der Show. Selbst die "Bild"-Zeitung berichtete live aus der Wüste über „das erste Raumschiffauto“.

Die deutschen Autohersteller sind in Las Vegas seit Jahren auf der Überholspur, die Angreifer aus Silicon Valley spielen im Nachbarstaat Nevada nur eine Nebenrolle. Nach dem damaligen BMW-Lenker Norbert Reithofer sowie Dieter Zetsche und Audi-Chef Rupert Stadler, die beide schon zweimal zur Keynote eingeladen wurden, tritt in zwei Wochen der neue Marken-CEO von Volkswagen Herbert Diess ans Rednerpult – sein erster großer US-Auftritt nach Bekanntwerden des Diesel-Skandals.

Zu den Keynote-Speakern der CES 2016 gehören außerdem Mary T. Barra von GM sowie die Chefs von IBM, Intel, Netflix, YouTube und Samsung SDS. In einem separaten Panel zur Zukunft der urbanen Mobilität tritt Bosch-CEO Dietmar Denner auf. Die Keynotes sind so beliebt, dass sich schon Stunden vorher lange Schlangen vor den Ballrooms und Theatern im Venetian, Cosmopolitan und Westgate bilden, obwohl diese jeweils mehrere tausend Sitzplätze bieten.

Rund 7.000 akkreditierte Journalisten, Blogger und Influencer sorgten 2015 dafür, dass die neuesten Gadgets, Technologien und Trends rund um den Globus gecovert wurden. In den sozialen Netzwerken wurde die Messe millionenfach erwähnt, der Hashtag #CES2015 wurde auf Twitter über zwei Millionen Mal verwendet. Über die ehemalige „Sin City“ Las Vegas können Unternehmen mittlerweile – ganz seriös – ein Millionenpublikum erreichen.

Diese mediale Bedeutung zieht auch immer mehr deutsche Unternehmen an: 2015 waren bereits 50 von ihnen vor Ort. Die Anmeldezahlen für die CES 2016 lassen auf ein ähnlich hohes Interesse schließen, Teil der digitalen Avantgarde zu werden. Keine andere Messe macht deutlicher, wie ehemals strikt getrennte Produkt- und Lebenswelten zunehmend zusammenwachsen.

Für 2016 erwarten Branchenbeobachter vor allem Innovationen aus den Bereichen Robotics, Wearables und vom Internet der Dinge. So zeigt das Startup Autonomous einen sprechenden Roboter, der einen wie ein iPad auf Rädern begleitet, selbstständig fährt und über die Stimme zu steuern ist. Er organisiert Kalender, fasst Meetings zusammen oder überwacht das Haus.

Quell heißt ein Armband, das über die Stimulation von Nervenbahnen Schmerzen stillen soll – natürlich mit einer Smartphone-App als Controller. Und mit der neuen Klaxoon Box können bis zu 40 Mitarbeiter ohne Internet-Anschluss vernetzt zusammenarbeiten.

Die CES ist zum Pflichttermin für alle geworden, die mit High Tech ihr Geld verdienen. Neben IT-Firmen, Händlern und Herstellern sowie den großen Playern der Medienbranche finden auch immer mehr tech-fremde Marken und Agenturen den Weg in die Stadt der Casinos, präsentieren ihre Produkte und Ideen in den Hotelsälen abseits des überfüllten Convention Center. Während andere Fachmessen Aussteller, Besucher und Bedeutung verlieren, steigt die Anziehungskraft und Bedeutung der CES weiter, was nicht zuletzt an der Attraktivität der Glitzermetropole als Reiseziel im Januar liegt. Mittlerweile hat die Messe sogar eines der berühmtesten Sprichwörter über die Stadt widerlegt: „What happens in Vegas, stays in Vegas.“ Denn seit April gibt es auch einen jährlichen CES-Ableger in Shanghai.

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