Birgit Bischoff, Designerdock

Birgit Bischoff, Designerdock

Bezahlung von Frauen in der Werbebranche Warum der Gender Pay Gap nur ein Symptom ist

Mittwoch, 17. Mai 2017
Frauen werden für die gleiche Arbeit oftmals schlechter bezahlt als Männer - auch in der Werbebranche. Die Gehaltslücke wird jedoch erst verschwinden, wenn tiefer greifende gesellschaftliche Probleme ausgeräumt werden, ist Birgit Bischoff, Chefin von Designerdock Düsseldorf, sicher. "Die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen ist meiner Erfahrung nach ein branchenübergreifendes Symptom, das im Kern ausgeräumt werden muss", schreibt die Chefin des Düsseldorfer Standorts des Personalberatung-Netzwerks in ihrem Gastbeitrag für HORIZONT Online.
Themenseiten zu diesem Artikel:

Werbebranche Gehaltslücke Birgit Bischoff Entgeltlücke


Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen sind seit jeher ein Thema, das die Gemüter in Wallung bringt. Auch das meinige. Wie die meisten Designerdock-Berater habe auch ich lange Zeit in der Werbebranche gearbeitet und meine Erfahrungen mit der (oftmals mangelnden) gehaltlichen Gleichstellung von männlichen und weiblichen Kreativen in Agenturen gemacht. Nicht selten musste ich feststellen, dass ich weniger verdiene als meine männlichen Kollegen in vergleichbarer Position.


Arbeiten in der Werbung, das bedeutet Ideen pitchen, Etats gewinnen, Ideen weiter entwickeln, Kampagnen fahren - der Alltag in Kommunikationsagenturen ist fraglos von ständigem Wettbewerb, Ellenbogentaktik, Adrenalin und Druck geprägt. Zugegeben, das entspricht auch meinem subjektiven Empfinden nach männlichen Persönlichkeiten eher als weiblichen.

Doch schaut man sich die Arbeitnehmerstrukturen in Kreativagenturen an, läßt sich leicht feststellen, dass ein Großteil des kreativen Personals von Frauen gestellt wird. Wie also kann es sein, dass eine aktuelle Studie belegt, dass das so genannte Gender Pay Gap im Vergleich zu allen anderen deutschen Branchen in der Werbung am größten ist? In Berufen mit Gehältern von 55.000€ aufwärts beträgt die Entgeltlücke laut Studie durchschnittlich satte 12,9 Prozent.
Gehalt Geld Lohn Geldscheine Banknoten
Bild: Fotolia / Gina Sanders

Mehr zum Thema

Gehalt Wie gut Werber verdienen

Und ich möchte noch einmal betonen, dass wir hier nicht von einer Branche sprechen, die einer Quote bedarf und wir von nachvollziehbar gleichen Leistungen der weiblichen Arbeitnehmer ausgehen können.

Ein erster Erklärungsansatz fällt mir nicht schwer und wirklich überrascht haben mich die Ergebnisse der Studie auch nicht. Seit 15 Jahren berate und vermittle ich nun am Standort Düsseldorf Arbeitnehmer und Freelancer aus Kommunikation, Marketing und Design. Nicht selten leiste ich dabei Aufklärungsarbeit, indem ich Kandidatinnen dazu berate, ihre Gehaltsvorstellungen denen ihrer männlichen Mitbewerber anzugleichen. Bei männlichen Kandidaten ist eher das Gegenteil der Fall, hier sind Realitätscheck nach unten sehr viel häufiger nötig. Meine Designerdock Kollegen in ganz DACH berichten ähnliches.

Man sollte annehmen, dass die aktuelle Gesetzgebung zur Lohngleichheit und Transparenz für Unternehmen auf lange Sicht diese Gehaltsberatungsleistung obsolet werden läßt. Doch ich befürchte, es wird ein langer und steiniger Weg.
Gehalt Geld Lohn Geldscheine Banknoten
Bild: Fotolia / Gina Sanders

Mehr zum Thema

Agentur-Gehälter Nur Geschäftsführer und Kreativchefs verdienen ordentlich

Selbstverständlich bin ich mir auch im Klaren darüber, dass die von starker Fluktuation und dem "War of Talents" gebeutelte Branche, langfristig gar nicht anders agieren kann, als sich als gerechte, nicht gender-spezifisch zahlende Arbeitgeber zu branden. Weibliche (wie auch männliche) "Millenials" sind offenkundig wechselwilliger und "gehaltsbetonter" als es frühere Generationen kreativer Frauen waren und auch das Image der Branche ist schon lange nicht mehr so "sexy" wie es einmal war. Wer heute für die gleiche Arbeit weniger Geld verdient, wechselt einfach den Arbeitgeber oder sogar gleich die Branche. Die Start-Up Szene erfreut sich großer Beliebtheit unter jungen Kreativen.

Am Ende ist das Problem aber natürlich ein sehr viel tiefgreifenderes. Die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen ist meiner Erfahrung nach ein branchenübergreifendes Symptom, das im Kern ausgeräumt werden muss. Wenn Frauen "von Haus aus" in unserer Gesellschaft eine höhere soziale Verantwortung tragen (Gender Care Gap), was sich in hohem Masse auf ihre Zeit für Ausbildung und Beruf auswirkt, wird immer ein Gender Pay Gap bleiben.

Erst wenn Wahrnehmung und Möglichkeiten sich ändern und auch tatsächlich geschaffen werden (wie z.B. Kitas, flexible Arbeitszeiten, etc…) werden Gegenargumente für ein gleiches Gehalt durchsetzbar sein. Denn zu oft sieht man nicht nur unterbezahlte weibliche Arbeitnehmer, sondern auch hoch talentierte Mütter, deren wertvolle Arbeitskraft wegen mangelnder Teilzeitstellen vom Markt nahezu verschwindet.

Meist gelesen
stats