Patrick Lithander, Fischer-Appelt

Patrick Lithander, Fischer-Appelt

Bericht von der DLD New York Von digitalen Weltkriegen und höllisch guten Bieren

Dienstag, 16. Mai 2017
Die DLD in New York sollte auf jeder Marketing-Eventagenda stehen, findet Patrick Lithander. Der Ableger der vom Münchner Medienhaus Hubert Burda organisierten Digitalkonferenz sei inspirierend, kontrovers, vernetzend, so der Director Business Development bei Fischer-Appelt Play. Für HORIZONT Online hat Lithander die wichtigsten Panels und Zitate von der DLD in New York zusammengetragen.

Zum 4. Mal fand in diesem Jahr die Digital – Life – Design Konferenz (DLD) in New York City statt. Eine Zusammenkunft von Entscheidern, Machern und vor allem auch Querdenkern aus der digitalen Welt. Der Start ist ganz anders und doch am Ende genau so wie man es beim DLD erwartet. Steffi Czerny, Mitgründerin der Konferenz, begrüßt familiär ihre Gemeinde, man fühlt sich zu Hause, nur eben in einer anderen, aufregenderen Stadt, ein kleines bisschen größer als München.


Die Themen: Wie verändert sich die Medienwelt, was sind die neuen Medienunternehmen, was geschieht durch die digitale Transformation und vor allem: Was passiert dabei mit den Menschen? Dabei ist das Programm aber auch politisch, schon zu Beginn dreht es sich um aktuelle Themen wie Fake News und natürlich Trump, Macron und was Medienschaffende von diesen Ereignissen gelernt haben. Oder auch nicht. Nach Czernys eigener Aussage: Dies ist keine Konferenz zum Ausruhen.

"How to fix the Future in 15 Minutes", fragt Autor, Unternehmer und Internet-Kritiker Andrew Keen die deutsche Politikerin Anke Domscheit-Berg. Ihre Antwort: Monopolen zumindest auf EU- und Länderebene mit Gesetzen begegnen, den Zugang zum Internet nicht den Unternehmen überlassen wie es z.B. Schweden macht, wo die Glasfasernetze in Staatshand sind und sie fordert, dass AGBs von Facebook und Co. verständlich formuliert auf ein DIN A4 Blatt passen müssen. Mehr war in 15 Minuten allerdings nicht drin.

Jeff Jarvis moderierte eine spannende Runde mit dem Ziel, nicht das 1325. Panel über Fake News zu machen, sondern nach Lösungen zu suchen. Mit dabei waren Rebecca Blumenstein ("The New York Times"), John Borthwick (Betaworks), Rahul Chopra (Storyful) und Ingo Mannteufel (Deutsche Welle). Der Kampf gegen Fake News sei ein digitaler Weltkrieg, sagt Chopra. Er sieht neben Regulation und der Medienarbeit vor allem die Werbetreibenden in der Pflicht. Es sei in ihrem eigenen Interesse, dass ihre Markenbotschaften in einem sauberen Umfeld stattfinden, was letztlich auch wieder dem Qualitätsjournalismus diene.

Mannteufel warb dagegen für Gelassenheit. Wenn Redaktionen hysterisch reagierten, spielten sie Populisten nur in die Hände. Laut John Borthwick könne Twitter eine viel wichtigere Rolle spielen, da der Mikroblogging-Dienst keinen Optimierungsalgorithmus benutzt und User dadurch einen besseren Zugang zu echten Fakten liefert.

Einer der besten Auftritte kam aus Bayern - konkreter aus Bayreuth in Oberfranken - von Jeff Maisel, der in vierter Generation die Brauerei seiner Familie führt. Maisel erzählte von der schwierigen Situation der Brauerei in den 2000ern und wie sie es geschafft hat, zurück ins Geschäft zu kommen: Mit einer Leidenschaft für Bier, ohne Werbung, dafür mit der Überzeugung, dass man das Familiengeschäft in der vierten Generation nicht einfach verkaufen kann. Maisel ist Partner des ersten Campus DLD in Bayreuth am 21. Juni 2017.

Und es durfte natürlich nicht die Frage nach der Generation Z und dem Zugang zu dieser Zielgruppe fehlen. Antworten lieferten Brit Morin von Brit+Co und Melanie Mohr von YEAY, einer Verkaufsplattform, die sich anfühlt wie die Liaison von Ebay und Snapchat. Nach ihrer Aussage erreicht man diese Gruppe, die sich als positiv eingestellt und hart arbeitend sieht, nur über ein tiefes Datenverständnis, Offenheit für Collaboration und Co-Creation und vor allem über radikale Transparenz. Denn diese Generation folgt nur Menschen und nicht Marken.

Es lohnte sich, bis zum Ende des DLD zu warten, denn der letzte Speaker war Tristan Harris, ehemaliger Design-Ethiker bei Google, der über das Thema "Time well spent" sprach. Der Erkenntnis, dass die heute dominierenden Unternehmen Facebook, Google und Snapchat ihre Entwickler-Power dafür nutzen, um die Zeit der User auf ihren Plattformen zu halten und nicht damit, was ihnen wirklich nutzt. Er plädiert für die Einführung einer neuen Währung: Time well spent. So heißt auch seine Bewegung. Oder anders formuliert: Wertschätzung für Aufmerksamkeit.

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