Fritz Unruh, achtung!

Fritz Unruh, achtung!

Arbeitgeberkommunikation Warum Bewegtbild im Kampf um Talente wettbewerbsentscheidend sein kann

Mittwoch, 20. Januar 2016
Viele Unternehmen und Agenturen suchen händeringend nach qualifiziertem Personal. Doch werden im Kampf um Talente überhaupt alle Möglichkeiten ausgeschöpft? Aus Sicht von Fritz Unruh ist das nicht der Fall. Der Bewegtbild-Chef von achtung! erklärt in seinem Gastbeitrag für HORIZONT Online, wie gut gemachte Videos für mehr Bewerber sorgen können.
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Work-Life-Balance, außergewöhnliche Karrierechancen, besonderer Teamgeist, überdurchschnittliche Mitarbeiterförderung: Wer glaubt schon den Versprechen eines Unternehmenschefs oder Personalleiters in Not? Wer glaubt den Versprechungen eines Unternehmens, das – wie so viele andere – händeringend nach Mitarbeitern sucht? Sind da nicht die Aussagen von bestehenden Mitarbeitern des Unternehmens glaubwürdiger? Nun gut, sie werden vor der Kamera auch nicht die hundertprozentige Wahrheit sagen. Denn wer nörgelt schon vor laufender Kamera und im Beisein eines Mitarbeiters der Unternehmenskommunikation am Arbeitgeber herum? Aber einen besseren, realistischeren Eindruck geben sie dennoch. Ein Video vermittelt viel mehr als eine Beschreibung auf der Unternehmensseite im Internet. Es gibt ein Gefühl für das Arbeitsumfeld, vermittelt einen Eindruck, ob es eher locker oder steif zugeht. Die Machart verrät, ob das Unternehmen innovativ und mutig oder eher traditionell und risikoavers ist. Deshalb kommen Arbeitgeber-Videos an. Sie schaffen mehr Resonanz und lösen mehr Reaktion aus als Text und Bild. Gut gemachtes Bewegtbild kann dem Empfänger das Gefühl geben, tatsächlich einmal in eine Firma hineingeschaut zu haben, zumindest für einige Minuten. 

Videos haben höhere Reichweite

Bei Facebook hat ein Video im Durchschnitt eine 6 Prozent höhere Reichweite als Text. Im Vergleich zu einem geposteten Foto erreicht Bewegtbild 5 Prozent mehr Reichweite. Facebook unterstützt Videos eben stärker, so dass Bewegtbild im Stream von mehr Menschen sichtbar wird als ein schnöder Text. Außerdem fühlen sich die User durch ein Video deutlich stärker dazu animiert, den Beitrag zu teilen und zu bewerten. Das „Bewegt“ in Bewegtbild hat eben zweierlei Bedeutung. Bewegtbild kann Menschen bewegen. 

Film kann bewegen, faszinieren, reagieren lassen

Warum weinen Menschen beim Gucken eines Films häufiger als beim Lesen eines Buchs? Warum lachen sie vorm Screen öfter als wenn sie sich über Papier beugen? Warum weitet sich die Pupille beim Schauen eines Films stärker als beim Lesen eines Textes? Weil Filme einen mehr packen können. Weil Videos mehr auslösen können. Werbeagenturen könnten nun anmerken, dass Emotionalität, Inforeduktion und Unterhaltung doch schon immer aktivierender Charakter guter Filme beziehungsweise TV-Spots gewesen seien. Das ist richtig. Aber im HR- und Recruiting-Bereich ist ein solcher Ansatz eben noch immer eher eine Seltenheit. Man schaue sich nur mal die Masse an drögen Broschüren und Unternehmensfilmen an, die potenzielle Kandidaten informieren sollen. 

General Electric schafft Einblicke – ganz innovativ

Bei Bewegtbild für mögliche Bewerber gilt: Die Inhalte können überraschen und so Interesse und Neugier wecken. In Zeiten technologischer Quantensprünge kann aber auch schon das innovative Format einen Anstoß geben. Und das meint, eben nicht einfach ein Videoteam durch Büroräume und Produktionsanlagen zu schicken, um die eindrucksvollsten Ecken zu filmen und Mitarbeiter zu interviewen. Es meint, sich neuer Möglichkeiten zu bedienen, so zu überraschen und sich als spannender Arbeitgeber zu präsentieren. General Electric liefert da faszinierende Beispiele.
Hier ist eines: Im Rahmen einer #DRONEWEEK
hat das Unternehmen eine Woche lang eine mit einem Smartphone versehene Drohne durch Werke fliegen lassen und die Eindrücke via Periscope live gebroadcastet. Die Dokumentationen wurden anschließend auf Youtube veröffentlicht. Bei den Persicope-Live-Übertragungen konnten potenzielle Bewerber unmittelbar kommentieren und Fragen stellen. Die wurden flugs beantwortet. Solche Filme geben einen besseren, einen bewegenderen Einblick als ein Messestand auf einer Recruiting-Messe jemals liefern könnte. 

Deutschland: Deutsche Bahn experimentiert

Der zunehmende Mangel an Talenten und Bewerbern macht auch deutsche Unternehmen erfinderisch. Zum Beispiel die Deutsche Bahn zeigt Experimentierfreude.  
Auf Youtube und mit Virtual-Reality-Brille können Interessierte in die Tätigkeitswelt verschiedener Mitarbeiter der Bahn regelrecht „eintauchen“.
Gerade die Technik-Affinen, die die Bahn für die betreffenden Jobs braucht und sucht, dürften sich hier mehr angesprochen fühlen als durch eine schnöde Anzeige, durch den Vortrag eines Personalers an der Uni oder durch ein klassisches Arbeitgebervideo. 

Ultrakurze Mitarbeiterstatements auf Facebook

Auf der einen Seite kann das Format neuartig sein, auf der anderen aber auch die Art des Inhalts. BSH  Hausgeräte – ein achtung! Kunde – hat so etwas Neues ausprobiert. Mitarbeiter sprechen ohne Skript und ohne Regie vor der Kamera. In ultrakurzen Videos. Die Videos werden auf der Facebook-Unternehmensseite veröffentlicht. Das Ziel: Ehrlicher daher zu kommen als manch anderes Unternehmen mit vermeintlich unrealistischen Versprechungen. Die Resonanz: erstaunlich. Die monatliche Reichweite beträgt 250.000. Die einzelnen Videos werden überdurchschnittlich häufig geliked und geteilt. Die Zahl der Bewerbungen hat seit dem Start deutschlandweit stark zugenommen. 

Bewegtbild ist günstiger geworden

Bewegtbild für Bewerber ist nicht nur effektiv. Es ist auch günstiger geworden. Gute Filmproduktion ist heutzutage skalierbarer und flexibler geworden als es lange der Fall war. Der Betreuungsschlüssel von zwei Personen auf jedes Kabel am Set gilt aufgrund der rasanten technischen Entwicklung von Videotechnik nur noch selten. Das Equipment für hochwertigen Film braucht heute oft nicht mehr drei Lastwagen, sondern meist nur noch einen Rollkoffer. Und das bedeutet: Bewegtbild kann sich (fast) jedes Unternehmen leisten.

Froh über das „Geheimnis“ Bewegtbild

Unternehmen, die Bewegtbild einsetzen, um Bewerber zu interessieren, ja womöglich zu begeistern, und die dies richtig machen, wissen um die bessere Wirkung. Und sie dürften darüber froh sein, dass einige ihrer Wettbewerber die Chancen des Bewegtbild-Einsatzes in der Arbeitgeberkommunikation immer noch nicht erkannt haben.

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