"The Data Corrupter" Mit diesem Tool will Grey politische Manipulation auf Facebook verhindern

Freitag, 28. April 2017
Grey und Orangy by Handelsblatt wollen den Datensammlern auf Facebook den Garaus machen
Grey und Orangy by Handelsblatt wollen den Datensammlern auf Facebook den Garaus machen
© Grey

Spätestens seit dem US-Präsidentschaftswahlkampf wird weltweit über die Möglichkeit von politischer Manipulation über die sozialen Netwerken heiß diskutiert. Im Vorfeld der Bundestagswahl machen Grey und Orange by Handelsblatt jetzt mobil gegen die "Datenkrake" Facebook - und wollen mit einem Browser-Plugin die digitale Filterblase zum Platzen bringen.
"Data Corrupter" heißt das Tool, das die Düsseldorfer Agentur für die junge "Handelsblatt"-Plattform entwickelt hat und das verhindern soll, dass Nutzern nur solche News in den Timelines angezeigt werden, die Facebook aufgrund des bisherigen Onlineverhaltens als interessant für den Nutzer erachtet. So soll der Entstehung einer Filterblase vorgebeugt werden, die die bestehende Meinung nur bestärkt und konträre Nachrichten ausblendet (siehe Casefilm oben).
Und genau da setzt der Data Corrupter an: Jedes Mal, wenn ein Nutzer auf Facebook einen Post likt, addiert das Plugin automatisch eine Vielzahl von weiteren zufällig ausgewählten Likes, die dem Nutzer selbst und seinem Netzwerk nicht angezeigt werden. Dadurch werden die spezifischen Daten für den Algorithmus und externe Analysten unbrauchbar.Die Folge: Datenanalyse-Firmen und Parteien wird es praktisch unmöglich gemacht, ein psychologisches Profil der Nutzer zu erstellen und Posts auszuspielen, die gezielt eine Erwartungshaltung bedienen und ihn so empfänglicher für eine bestimmte Botschaft machen.
Facebook Filter Bubble
Bild: Facebook

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Mit dem "Data Corrupter" will Orange by Handelsblatt besonders die junge Generation für das Thema Fake News auf Facebook sensibilisieren und gleichzeitig die journalistischen Werte Unabhängigkeit, Glaubwürdigkeit und objektive Berichterstattung betonen. "Micro-Targeting ist kein neues Thema. Wenn es jedoch mit psychometrischen Systemen angereichert wird und so zum 'Werkzeug' für politische und manipulatorische Botschaften wird, verstößt das gegen unser Grundverständnis", sagt Frank Dopheide, Geschäftsführer und verantwortlich für Orange by Handelsblatt.

"Wir möchten mit der Kampagne auf zwei zentrale Probleme – die Existenz der Filterblase sowie die gezielte Manipulation für politische Zwecke – nicht nur aufmerksam machen, sondern auch eine wirkliche Lösung anbieten", erklärt Fabian Kirner, Chief Creative Officer bei Grey. "Uns ist natürlich klar, dass man mit den Programmierern von Google, Facebook und Co. nicht einfach so mithalten kann. Daher wird das gesamte Projekt später in ein Open-Source-Thema verwandelt. Es ist also der erste Stein, der ins Wasser geworfen wird und Wellen schlägt."

Bei Grey zeichnen neben Kirner Kim Florio (Chief Strategy Officer) und Martin Steinorth (Technical Director) federführend verantwortlich. Der "Data Corrupter" kann im Chrome Web Store sowie über die Website TheDataCorrupter.org heruntergeladen werden. tt
(Bild: Grey)
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